Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass hier vielleicht irgendjemand mitliest, dem es ähnlich geht/ergangen ist oder der eine Idee hat, wie es mir/uns wieder besser gehen kann.
Seit der Geburt unserer Tochter vor 1,5 Jahren habe ich das Gefühl, die Beziehung zu meinem Freund steht kurz vor dem Aus. Wir haben immer viel miteinander geredet, das war mir immer wichtig. Seit wir Eltern sind, finden die einzigen Gespräche Abends vor dem TV statt (toll), oder bei den gemeinsamen Mahlzeiten (unter der Woche nur am Abend), wobei auch kein richtiges Gespräch möglich ist, da das Kind natürlich im Mittelpunkt steht, dazwischenquatscht, das Brot herumwirft etc.; oder Abends im Bett kurz vorm Einschlafen. Dann dreht es sich aber meist um die nächste Baustelle:
Sex, den es bei uns seit der
Schwangerschaft praktisch nicht mehr gibt. Uns war
Sex nie sooo wichtig, Qualität statt Quantität war unsere Meinung und während der
SS und nach der Geburt haben wir es eh langsam angehen lassen, aber unsere Frequenz ist ca. 1x alle 8 Wochen und das ist meinem Freund zu wenig. Das Problem ist, ich vermisse es überhaupt nicht, ich kann mir nicht vorstellen jemals wieder
Sex zu haben, ich finde
Sex sogar lächerlich!! Nichts in mir hat Interesse daran. Ich habe das Gefühl, ich wurde bei der Geburt gegen einen frigiden Drachen vertauscht

Ich kann es überhaupt nicht mehr ab, wenn mein Freund auch nur in die Nähe meiner Brüste kommt!
Ich denke, die Harmonie in unserer Beziehung ist nicht mehr da und deshalb hab ich auch kein Interesse mehr an
Sex. Ich bin oft verbittert gegen meinen Freund, z.B. weil vieles so selbstverständlich ist, dass ich früh die Kleine fertig mache, bevor es zur Tagesmutti geht, während er sich um sich kümmern kann... Dass ich sie hole und bringe, obwohl ich auch fast voll arbeiten gehe... Daran arbeiten wir schon, ok. Dann die Nächte, sie schläft ab ca. Mitternacht bei uns und oft auch sehr unruhig (Neurodermitis), ich liege daneben und kann natürlich nicht schlafen, während mein Freund sich einfach umdreht und pennt... Am besten dazu noch schnarcht, da könnte ich ausflippen. Das war schon das erste Jahr so, ich war Nachts immer der Ar*** wegen dem Stillen, mein Freund hat selig geschlafen. Das trage ich ihm wohl immer noch nach. Dabei nimmt er mir schon viel ab und gibt sich Mühe, andere Papas machen sicher längst nicht so viel zu Hause, und ist super lieb mit der Kleinen... Warum kann ich das nicht würdigen?! Auch die Kleinigkeiten fallen viel mehr ins Gewicht als früher... Er bringt die Kleine ins Bett, macht das Fenster auf aber lässt die Heizung an. Das bringt mich auf die Palme. Meine Schwelle zur Gereiztheit ist sehr weit unten.
Ich war schon bei einer Psychotherapeutin, sie hat eine Anpassungsstörung diagnostiziert, eine Therapie gibt es wenn überhaupt frühestens im Sommer, da zu wenig Therapeuten da sind. Bei meiner
Frauenärztin will ich meinen Hormonstatus kontrollieren lassen, da hab ich aber erst Ende März nen Termin bekommen. Meine Hausärztin hat schon meine Blutwerte inkl. Schilddrüsenwerte kontrolliert - war alles super. Ich habe das Buch "Liebe dich selbst und es ist egal wen du heiratest" gelesen, den richtigen Aha-Effekt hat es mir nicht gebracht. Ich denke schon, dass das Problem in meinem Kopf sitzt. Mein Freund findet unsere Beziehung, bis auf das Thema
Sex, total in Ordnung und ist zufrieden bis glücklich.
Ich weiß auch gar nicht, ob eine Psychotherapeutin mir helfen kann. Sie hat mir paar gute Tipps gegeben, z.B. dass ich die Ansprüche an mich herunterschrauben soll, nicht versuchen die perfekte Mutter zu sein, auch sich selbst mal Zeit gönnen etc. Aber keine Ahnung, ob sie auch in Sachen "Sex" helfen kann oder ob man da einen bestimmten Therapeuten aufsuchen muss... Ob die Krankenkasse das überhaupt übernimmt... Eine Paartherapie kostet wohl um die 900 EUR und ich hoffe noch, dass es auch anders geht.
Ach übrigens, wir versuchen schon auch Zeit zu zweit zu verbringen, waren letztens aus und hatten die Kleine abgegeben, versucht keinen Erwartungsdruck aufzubauen... Es hat nichts geändert.
Es geht schon so weit, dass ich anderen ihre
Schwangerschaft nicht gönne oder hoffe, dass sich bei ihnen die Beziehung genauso zum Negativen ändert wie bei uns... Was aber nie der Fall zu sein scheint

Andere scheinen mit der Umstellung von Paar auf Eltern viel besser klarzukommen.
Natürlich drängt sich mir die Frage auf, liebe ich meinen Freund überhaupt noch... Ich kann es nicht sagen!! Manchmal denke ich: Ja, du willst mit ihm alt werden, an anderen Tagen: Oh Gott, mit dieser Routine soll dein restliches Leben vergehen?! Mensch ich verstehe das nicht, vorher hatten wir eine tolle ausgewogene Beziehung, wir waren zum Zeitpunkt der
SS fast 4 Jahre zusammen, die rosarote Brille war weg, aber es war einfach ein gutes Grundgefühl da. Und praktisch mit dem Tag der Geburt - alles anders.
Danke auf jeden Fall fürs Lesen.