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ich habe mir den Anonymchen-Account ausgeliehen, um über ein Problem schreiben zu können, das mir schon länger auf der Seele liegt. Genau genommen seit 3 Jahren, so alt ist unsere Tochter jetzt.
Es geht um den Umgang meines Mannes mit unserer Tochter.
Ich finde, er geht in Sachen Erziehung und Umgang nicht gerade ..."geschickt" mit ihr um.
Er schimpft viel mit ihr (auch wegen Kleinigkeiten, zum Beispiel jedes Mal, wenn sie beim Essen kleckert oder was fallen lässt- er macht ein totales Drama draus: "Oh Maus, ich glaubs nicht... Mit dem Essen klappts ja echt noch nicht so, was..?" etc). Teilweise hat er, wenn wir nach dem Essen aufstehen, sie die ganze Zeit nur im Meckerton angesprochen. Er beobachtet sie auch oft mit Argusaugen, damit er bloß keine Verfehlung verpasst
Oder wenn er etwas von ihr will (zB, sie soll endlich ins Bett, sitzt aber seit ner halben Std auf dem Klo und singt) Nicht, dass er sie erst mal freundlich anspricht und das Ganze spielerisch klärt (was bei mir sehr gut klappt), nein, er geht ins Zimmer und poltert los: "Jetzt musst du mal aufstehen, du musst jetzt ins Bett!" Dann kommt es schnell zum Konflikt, die Kleine mault zurück, es fliegen Worte ala (sie "Geh weg, du bist nicht mein Freund!" Und daraufhin er: "Du meiner auch nicht!" Voll kindisch und sehr kontraproduktiv. Oft endet das Ganze mit Tränen- und einen völlig entnervtem Papa.
Er ist einfach so wenig einfühlsam und regt sich über Kleinigkeiten so auf. Zum Beispiel äfft er sie auch manchmal nach (nicht auf böse Art, eher lustig), was ich aber trotzdem nicht angebracht finde, wenn sie gerade zB ernste Gerühle zeigt. Sie will ihr kleines bisschen Macht zeigen, sich durchsetzen, und er lacht sie deswegen aus.
Manchmal will er sie umarmen und küssen, sie will das nicht und sagt das auch deutlich, da lacht er und hält sie erst recht fest, und das Küsschen kriegt sie aufgedrückt. Wenn sie dann wütend weint, lacht er.
Auch verbringt er wenig Zeit mit ihr. Ihm ist es glaube ich lieber, wenn sie eher nebenbei läuft. Sitzt er mit ihr im Zimmer, meckert er auch, wenn sie zB ein gerade gemachtes Puzzle wieder kaputtmacht. Das kann ich gar nicht nachvollziehen- denn es ist doch ihr Spielzeug und zum Spielen da..?
Versteht ihr, was ich meine? Ich könnte noch ganz viele solche Beispiele nennen.
Ganz wichtig ist, er ist kein schlechter Vater. Er bringt sie jeden Abend ins Bett, liest ihr eine Geschichte vor, tröstet sie, wenn sie nachts weint. Er badet oft mir ihr zusammen. Es ist nicht so, dass es mehrmals täglich kracht. Alles ist gut, solange sie "reibungslos funktioniert", und sie ist eigentlich auch ein umkompliziertes Kind. Aber jeder Konflikt kommt mit ihm gleich auf eine ganz negative Ebene, weil er alles so persönlich nimmt. Und überhaupt so oft meckert, wenn es meiner Meinung nach gar nicht nötig ist.
Früher habe ihm dann oft reingeredet, wenn ich etwas nicht gut fand. Nach einer Aussprache zwischen ihm und mir haben wir und darauf geeinigt, dass ich den Schnabel halte. Nur, wenn mir etwas arg unnötig vorkommt oder ich finde, dass er zu streng zu ihr ist, dann sage ich was. Oder ich spreche ihn in einer stillen Stunde darauf an.
Er zweifelt dann schnell an sich, bereut sein Verhalten auch, sagt aber auch, er kann in bestimmten Situationen einfach nicht ruhig bleiben.
Wisst ihr, er schreit nicht rum und wird auch nicht handgreiflich. Aber ich habe Angst, dass er der Kleinen mit seiner negativen Art ein Stück Selbstbewusstsein und Lebensfreude nimmt (drastisch gesagt).
Die Kleine lehnt ihn übrigens teils ab, teils ist sie auch ganz normal zu ihm. Zur Zeit darf Papa gar nichts.
Nun meine Frage: Wie würdet ihr das verbuchen- sind viele Papas einfach so, dass sie weniger Erziehungskompetenz haben, und können Kinder, wenn sie einen positiven Gegenpart haben (in dem Fall ich, ich komme sehr gut mir ihr klar und wir haben selten Konflikte, ich bestärke sie oft darin, dass sie ein liebes Mädchen ist), damit umgehen lernen?
Ich habe das Gefühl, mir sind die Hände gebunden, mache mir aber manchmal Sorgen um unsere Tochter.
Also erstml viele Väter sind im Umgang grade mit kleinen Kindern etwas ungeschickt. Sie haben oft Probleme sich in die Kinderwelt hineinzuversetzen und sehen sie oft als kleine Erwachsene. Bei Euch scheint es allerdings schon sehr extrem zu sein. Grade wenn er ihre Äußerungen und Gefühle nicht ernst nimmt, finde ich das schon bedenklich.
Denkst du es würde helfen, wenn du ihm in nem ruhigen Gespräch einfach mal sein Verhalten ganz allgemein vor Augen hälst und deine Bedenken? Oder hast du schon so oft mit ihm gesprochen, dass ihn das eher nerven würde? Wie sieht er denn seine eigene Erziehung? Merkt er selber, dass er nicht so gut mit ihr klarkommt? Oder sieht er sein Verhalten ls in Ordnung an...
Ansonsten würde mir einfallen, daß es z.B. in Familienzentren, Kircheneinrichtungen, Kindergärten etc. immer mal Vorträge zum Tema Erziehung gibt. Vielleicht kann man ja mal nachfragen, ob es zum Thema Väter und Kinder eine spezielle Beratung gibt bzw. sieht man an Kindergärten, SChulen etc. auch immer mal Aushänge zu solchen Vortragsreihen.
Mir fallen grade keine guten Bücher ein, die in ihm vielleicht mehr Verständnis für Kinder wecken könnten. Aber vielleicht hat jemand anderes noch eine gute Idee...
Ich denke in dem Alter kann deine Kleine das bestimmt noch ganz gut verkraften, wnn sie von dir genug Unterstützung kriegt. nur fürchte ich daß mit zunehmendem Alter der Konflikt immer offener zu Tage tritt und deine Tochter sensibler dafür wird und sich ungeliebt fühlt. Je größer die Kinder werden, um so mehr wächst auch ihr Gerechtigkeitssinn und sie wollen einfach ernstgenommen und fair behandelt werden.
Das Beispiel "ein Küsschen mit Gewalt aufdrücken" finde ich ultragefährlich! An so etwas darf ein Kind nicht gewöhnt werden, denn falls ihr mal etwas in Richtung Missbrauch passieren sollte (Gott bewahre! Aber es kann halt sein), hält sie das möglicherweise für "normal", dass ihre Grenzen nicht respektiert werden, denn der Papa tut es ja auch. Das kann dann im Zweifel dazu beitragen, dass sie nichts davon erzählt.
Ansonsten sehe ich auch die Gefahr, dass er ihr Selbstvertrauen beschädigt. "XY kannst du ja noch nicht so gut" ist eigentlich eine total unnötige Äußerung, denn entweder kann sie es nicht, dann hilft das nicht sondern stellt nur ihre Schwächen heraus (das hab ich früher gehasst, hat meine Eltern aber nicht davon abgehalten, solche Sachen sogar in der Gegenwart "Außenstehender" zu sagen ) oder sie kann es, will nur gerade nicht, dann ist es schlicht falsch. "Du bist auch nicht mein Freund" ist schon gefährlich nahe an "ich hab dich nicht lieb". Auch wenn es im Scherz ist, solche Stachel sitzen tief. Da ist es deine Aufgabe, sie zu schützen. Selbst wenn es den Papa nervt.
Allerdings wird es schwierig, solches Verhalten gleichzeitig in allen möglichen Situationen abzustellen. Leg mit ihm gemeinsam fest, was das wichtigste ist, und dann soll er daran arbeiten. Oder sieht er selbst das Problem nicht? Dann wird es ganz, ganz schwierig.
oh je, das klingt nach einer konfliktgeladenen Situation.
Ob Männer jetzt generell weniger Erziehungskompetenz haben, sei mal dahin gestellt. Sie haben oft einfach aus der Situation heraus weniger Erziehungerfahrung. Den "Löwenanteil" macht ja doch meist die Mutter, wenn sie längere Zeit mit dem Kind verbringt als der Vater
Aber das ist nicht eure Baustelle.
Ich kann deinen Mann in so weit verstehen, als dass er seine Rolle als die "strengere" empfindet. Ich gehe mal davon aus, er will das Beste für seine Tochter: dass sie sich an Regeln hält, sich benehmen lernt (z.B. Essen) usw.
Ich habe auch aus deinen Worten verstanden, dass er es macht, weil er es nicht anders kennt/kann.
Das kann ich tatsächlich sehr gut nachvollziehen. Ich bin zwar noch nicht Mama, erziehe in meinem Beruf aber Kinder und weiß leider, dass viele meiner Vorgehensweisen 1:1 von meiner Mutter stammen.
Soweit ich damit unzufrieden bin, versuche ich das zu ändern, das ist aber nicht leicht.
"Loben" musste ich mir tatsächlich sehr stark angewöhnen, das gab es bei uns zuhause fast gar nicht. Und deinem Mann fällt das offensichtlich auch sehr schwer.
Ich würde also einfach mal ins Blaue hinein vermuten, dass dein Mann es zuhause ähnlich mitgemacht hat, wie er es jetzt bei der Tochter tut.
Warum er es macht, ist aber vielleicht auch nicht so wichtig, solange es sich ändern lässt, ohne an den Ursachen zu arbeiten.
Ich kann ganz klar wie Steine diverse Vortragsreihen empfehlen, z.B. "Starke Eltern, starke Kinder". Ihr könntet z.B. auch zusammen hingehen, das fände ich sehr wichtig, denn Erziehung ist auch immer eine Partnerarbeit. Es ist ok, wenn es dabei unterschiedliche Rollen gibt, aber die Grundidee muss die gleiche sein. z.B. Respekt vor dem Kind, Anerkennung seiner Gefühle und Bedürfnisse. Die ja so wie du selber schreibst, bei ihm z.T. fehlen.
In diesen Vorträgen geht es klar darum, Kinder zu stärken.
Was du noch tun könntest: du könntest selber Kontakt mit einer Erziehungsberatungsstelle aufnehmen. Das geht wunderbar, ohne dass dein Mann davon weiß, wenn du das ohne ihn erst mal für dich klären möchtest.
Dort wissen sie auch immer die Termine solcher Vorträge (s.o.) und können dir Expertentipps dazu geben, wie du die Sache mit deinem Mann und deiner Tochter löst, damit beide ein besseres Verhältnis entwickeln.
Sich dahin zu wenden, ist kein "Armutszeugnis", sondern wird von den Beratern auch immer als sehr, sehr positiv gewertet. Nur wer sich meldet, kann sich helfen lassen und etwas verändern.
Du kannst natürlich auch deinen Mann direkt mitnehmen, wenn du denkst, er lässt sich darauf ein.
Ihm gegenüber halte ich für wichtig, zu betonen, dass du nicht dafür sorgen willst, dass er es anders macht, aber dass dir wichtig ist, dass er und die Kleinen einen besseren Kontakt zueinander finden.
Aber: du musst ihm ganz klar sagen, dass sein Verhalten das Selbstwertgefühl un das Selbstbewusstsein seiner Tochter untergraben.
Und er kann dir nicht erzählen, es wäre ihm egal, wenn sie sagt "Du bist nicht mein Freund".
Du sagst ja selbst: Dein Mann ist eigentlich ein liebevoller Papa, der viel mit seiner Tochter unternimmt. Darum denke ich nicht, dass deine Tochter Schaden nimmt -- vorrausgesetzt es nimmt nicht überhand und er wird nicht handgreiflich.
Als ich so gelesen habe musste ich ein wenig schmunzeln. Es ist doch ein wenig so, als ob sich zwei Geschwister zoffen (du bist nicht mehr mein Freund - na und - du meiner auch nicht ) und nicht der Vater dem Töchterchen eine Grenze setzt.
Sie wird lernen, dass der Papa halt manche Dinge anders und enger sieht als die Mama, aber lieben tut sie ihren Papa trotzdem. Diese "Kein-Freund-Phase" und die "der-Papa-soll-das-nicht-machen"-Phase machen alle Kinder und alle Eltern durch.
Küsschen aufdrücken wenn das Kind es nicht will und es KEIN Spiel ist (das siehst du ja an dem Kind, wie es reagiert) würde ich sofort unterbinden und meinem Kind helfen. Festhalten zählt für mich zu einem Gewaltakt, den ich nicht toleriere. Auch nicht von meinem Mann !
Ansonsten solltet ihr wirklich nochmal reden und du ihm unmissverständlich sagen, dass du gewisse Dinge nicht akzeptieren wirst und da auch im Beisein deiner Tochter Partei ergreifen wirst.
Ich kann da nur aus meiner eigenen Erfahrung sprechen, denn mein Vater war ähnlich!
Er hat immer viel gearbeitet (er wollte nur das Beste für uns ... das ist natürlich klar!) und war eher selten zuhause und wenn er dann da war stand ich unter Strom, weil ich eben auch nicht so funktioniert habe (ich hatte immer viele Verlustängste) und später versucht hab, ihm zu gefallen, dass aber garnicht erreichen konnte ... es konnte also nur in einem Disaster enden!
Als mein Vater dann noch festgestellt hat, dass ich definitiv nicht in seine Fußstapfen treten werde, war es vorbei.
Heute habe ich kein gutes Verhältnis zu meinem Vater! Allerdings sind meine Eltern geschieden und die Situation hat viele Ecken und Kanten!
An der Stelle meiner Mutter hätte ich folgendes (für mich) gemacht: ich hätte meinem Mann deutlich klar machen, was er da gerade tut ... er missachtet ihre Individualldistanz, nimmt sie nicht ernst und das kratzt über kurz oder lang am Selbstwertgefühl!
(Ich habe da lang dran geknabbert.)
Natürlich darf man bei einem Kind nicht bei der kleinsten Träne zeigen, dass das jetzt ganz schlimm gewesen ist, aber dennoch sollte (auch beim eigenen Kind) eine gewisse (in der Pädagogik spricht man von der) "freundliche Distanz" gehalten werden!
Ich würde die Situation umdrehen, ihn mal in die Situation der Tochter versetzten, ihm bewusst zeigen, wie sich die Kleine fühlt und dazu ganz deutlich sagen: und du bist nun 25 Jahre älter, hast Lebenserfahrung, kannst zwischen gut und schlecht unterscheiden, deine Tochter aber lernt das von dir, was du ihr zeigst und das was du ihr gerade zeigst ist wie man einen Menschen und seine Gefühle eben nicht beachtet!
Zuvor würde ich (mein Vater ist sehr stur) klare Gesprächsregeln feslegen: "jetzt bin ich dran und du hörtst mir zu und zwar bis zum Ende und wenn ich wirklich fertig bin, dann kannst du mir sage, wie du das siehst!"
(ein Ansatz aus der Mediation, normalerweise hat man da einen "neutralen Dritten" dabei!).
In diesem Zusammenhang würde ich ihm auch ganz klar sagen, was du dabei empfindest und wie es dir geht. Was du fühlst und welche Befürchtungen du hast! (Nimm deine Befürchtungen ernst ... als normal empfinde ich es nicht, wenn der Vater sich auf die selbe "Ebene" stellt, wie seine 3-jährige Tochter! Was genau soll sie da lernen, dass Papa nicht richtig einzuschätzen ist? - und selbst wenn man das als "normal" betrachten kann (nein kann ich nicht!) ist es für die Tochter ein möglicher "Schwachpunkt" in ihrer Entwicklung - Stichwort: Selbstwertgefühl, Selbstsicherheit!)
Im Grunde kannst du "nur" versuchen, ihn in kleinen Schritten zum Umdenken zu bewegen!
Ich bin ein Mensch der offenen Worte und glaube (vielleicht etwas naiv), dass man in einem Gespräch/einer Diskussion unter Erwachsenen viel klären kann!
Im Anschluss würde ich nach seinen Gefühlen fragen: warum macht er das? Hat er Sorge oder Angst, ist er unsicher? Und wie kann ich ihm helfen, seine Sorge/Angst/Unsicherheit abzulegen und ihn zu festigen, wie kann ich dazu beitragen, dass die zwei besser miteinander auskommen!
Das wäre mein Ansatz!
Ich hoffe sehr, dass ihr einen Konsens und das Gespräch finden werden!
Alles Gute!